Luftaufnahme einer ruhigen deutschen Stadtlandschaft bei Morgenlicht

Status quo Mai 2026

Der MFH-Markt 2026 ist konsolidiert, aber nicht euphorisch. Drei Eckdaten beschreiben die Lage:

Die Sistrix-Sichtbarkeit für „Mehrfamilienhaus kaufen" liegt 2026 wieder leicht im Anstieg, was auf eine reaktivierte Käufernachfrage hindeutet — getrieben von gesunkenen Zinsen und der Erwartung struktureller Mietsteigerungen.

Zinsentwicklung und Finanzierungslage

Was bisher geschah

Die EZB hob den Leitzins von 0,0 % (Juli 2022) binnen 14 Monaten auf 4,5 % (September 2023) — der schärfste Zinszyklus seit 1973. Drei Senkungsschritte 2024–2025 brachten den Leitzins auf aktuell 3,25 %. Gewerbliche Immobilienfinanzierung 10 Jahre fest kostet 2026 typisch 3,8–4,4 % je nach Beleihungsauslauf und Objektqualität.

Prognose 2026–2028

Konsens unter Bundesbank, EZB-Watchers und führenden Volkswirten:

Wer auf Zinsen wartet, die wieder auf 1 % fallen, wird enttäuscht werden. Die EZB hat 2025 mehrfach signalisiert: Inflationsschutz bleibt vor Wohnungsmarktstützung. Eine Re-Inflationierung der Asset-Preise auf 2021er Niveau ist damit ausgeschlossen.

Praxistipp: Wer 2026 verkauft, sollte einen erwartbaren Zins-Rückgang um 50–100 Basispunkte in seine Preiserwartung einrechnen — das könnte 3–6 % zusätzliche Käufernachfrage in 2027/2028 freisetzen und die Faktoren um 0,5–1,5 Punkte heben. Wer auf diese Bewegung wartet, riskiert allerdings GEG-Verschärfung, neue Sanierungspflichten und politische Eingriffe (Mietendeckel, Vermögensteuer). Die rationale Entscheidung: Wer ohnehin verkaufen will, tut es jetzt — die Bandbreite an Negativrisiken übersteigt die Aufwärtschance.

Baukosten und Replacement-Cost-Effekt

Der Destatis-Baupreisindex zeigt seit Q1 2021 einen kumulierten Anstieg um 18 %. Einzelne Gewerke noch deutlicher: Dachdeckerarbeiten +24 %, Elektroinstallation +27 %, Gerüstbau +21 %. Prognose 2026: +2,8 %, 2027: +2,5 % — die Hochinflations-Phase ist beendet, aber kein Rückgang absehbar.

Wirkung auf Bestandsobjekte

Wenn Neubau in Leipzig 2026 schlüsselfertig 5.400 €/m² kostet, ist Bestand mit 3.200 €/m² Verkaufspreis relativ attraktiver geworden — der Replacement-Cost-Effekt stützt die Bestandspreise. Käufer rechnen: „Selbst bauen ist 70 % teurer, also kaufe ich Bestand und saniere selektiv."

Wirkung auf Neubau und ETW

ETW-Neubau-Preise stagnieren oder sinken leicht, weil die teurere Bauseite nicht mehr durch Käuferzahlungsbereitschaft gedeckt wird. Konsequenz: Bauträger-Pipeline schrumpft (−42 % Baugenehmigungen 2024–2025), was das künftige Wohnungsangebot weiter verknappt — Bestandshalter profitieren mittelfristig vom Knappheits-Premium.

Bestandstrend: Wohnungsmangel trifft auf GEG

Strukturelle Wohnungsknappheit

Pestel-Institut Q1 2026: Deutschland fehlen 910.000 Wohnungen. Die Bundesregierung verfehlt das 400k-Neubau-Ziel jährlich um 130k–170k Einheiten. Bevölkerungswachstum durch Zuwanderung 2023–2025: +1,2 Mio. Resultat: Vermietungsmärkte in Ballungsräumen unter Stress, Mietsteigerungen real +3,5–5,5 % p. a.

GEG 2024 als Treiber

Das verschärfte Gebäudeenergiegesetz spaltet den Markt: Effizienzklasse A–C-Häuser haben Vorteile (kein CapEx-Druck), Klasse F/G/H-Häuser leiden unter strukturellen Abschlägen.

EffizienzklassePreisabschlag 2024Preisabschlag 2026Trend 2027/28
A / B+3 %+5 %weiter steigend
C (Referenz)0 %0 %stabil
D−4 %−6 %weiter sinkend
E−8 %−11 %weiter sinkend
F−12 %−15 %weiter sinkend
G / H−16 %−22 %steigender Abschlag

Politisches Risiko: Mietregulierung

Bundesregierung diskutiert Verlängerung der Mietpreisbremse bis 2030, Verschärfung der Kappungsgrenze (15 % statt 20 % über 3 Jahre), bundesweite Mietendeckel-Klausel für angespannte Märkte. Realistische Eintrittswahrscheinlichkeit: 60 %. Wirkung auf Mietsteigerungspotenzial: −20 bis −30 % gegenüber Status quo.

Stadt-Prognose 2026–2028

StadtPreisprognose 2026Treiber
Leipzig+2,8 %Knappheit, Zuzug, akademisches Milieu
Dresden+2,4 %Halbleiter-Cluster, Wohnungsmangel
Hannover+2,1 %moderates Preisniveau, Industrie
Nürnberg+1,9 %Diversifizierte Wirtschaft, Zuzug
Köln+1,5 %Universität, Medienindustrie
Berlin+1,2 %Milieuschutz dämpft Aufwärtsbewegung
Hamburg+1,0 %hohe Bestandsbewertung bremst
München+0,8 %Sättigungseffekt, Top-Niveau
Frankfurt a. M.+0,5 %BCE-Quartier-Sättigung
Stuttgart+1,1 %Industrie-Transformation Risiko
Düsseldorf+1,3 %Service-Sektor stabil
Magdeburg / strukturschwach−1,2 %Demografie, schwächere Nachfrage

Zwei realistische Szenarien

Szenario A: Stabile Konsolidierung (60 % Wahrscheinlichkeit)

Zinsen sinken kontrolliert auf 2,75 % bis 2027, EZB beendet Senkungszyklus. GEG bleibt unverändert, Mietregulierung wird moderat verschärft (Bundesweite Mietpreisbremse-Verlängerung). Bestandsmärkte: +1,5 bis +3 % p. a. nominal, real ±0. Neubaupreise stagnieren. Käufermix bleibt privat-dominant.

Szenario B: Zweite Korrekturwelle (30 % Wahrscheinlichkeit)

Geopolitischer Schock (Energiekrise 2.0, Konjunktureinbruch), Inflation rebounds, EZB pausiert Senkungen oder hebt wieder. Mietregulierung verschärft sich deutlich (bundesweiter Mietendeckel, Vermögensteuer auf Immobilien). Bestandspreise: −5 bis −12 % bis 2028. Faktoren würden auf das Niveau von Q4 2022 zurückfallen.

Szenario C: Erholungsrally (10 % Wahrscheinlichkeit)

Schnelle Zinssenkungen auf 2,0 %, Mietregulierung wird gelockert, Förderung für Wohnungsbau und Sanierung deutlich erhöht. Bestandspreise: +6 bis +14 % bis 2028, Faktoren erreichen 90 % des 2021er Niveaus.

„Wer 2026 verkauft und 2028 zurückkauft, hat im Median-Szenario keinen messbaren Vor- oder Nachteil. Wer ein hohes Negativ-Risiko trägt — Sanierungsstau, schwache Lage, GEG-Pflicht — sollte 2026 verkaufen. Wer Bestand in A-Lage mit guter Energieklasse hält, kann mit geringem Risiko weitere 2–3 Jahre abwarten." — Empirica Marktbericht Q1 2026.

Entscheidungshilfe: Wer sollte jetzt verkaufen?

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Häufige Fragen

Soll ich mein Mehrfamilienhaus 2026 verkaufen oder warten?

Wer in den nächsten 3–5 Jahren ohnehin verkaufen will, sollte 2026 verkaufen — die Preise haben sich nach der Korrektur 2022–2024 stabilisiert, aber kein nennenswertes Aufwärtsmomentum. Wer 10+ Jahre Bestandshalter ist und keinen Liquiditätsbedarf hat, kann weiter halten und die GEG-Sanierungen durchziehen. Mehr Hintergrund im Ratgeber Verkaufen oder behalten.

Wie entwickeln sich die Zinsen 2026/2027?

Der EZB-Leitzins liegt 2026 bei 3,25 % nach drei Senkungsschritten. Konsens-Erwartung für 2027: 2,75–3,0 %. Gewerbliche MFH-Finanzierungen 10 Jahre fest kosten aktuell 3,8–4,4 %, Prognose 2027: 3,4–4,1 %. Eine dramatische Senkung ist nicht zu erwarten — die EZB hält Inflationsschutz wichtiger als Wohnungspreise.

Steigen die Preise 2026 wieder?

Nominal leicht: +1,5 bis +3,5 % in A-Städten, ±0 % bis +2 % in B-Städten, −1 bis +1 % in C/D-Lagen. Real (inflationsbereinigt) bleiben die Preise weitgehend stagniert. Das große Aufholmomentum aus 2010–2021 ist vorerst beendet.

Welche Stadt-Märkte performen 2026 am besten?

Leipzig (+2,8 %), Dresden (+2,4 %), Hannover (+2,1 %), Nürnberg (+1,9 %) — alle aufgrund struktureller Wohnungsknappheit bei moderaten Preisen. München, Hamburg, Frankfurt seitwärts (+0,5 bis +1,5 %). C-Städte ohne Wirtschaftsmotor (Magdeburg, Saarbrücken) leicht negativ.

Werden die Baukosten weiter steigen?

Ja, aber langsamer. Destatis-Prognose 2026: +2,8 % Baupreisindex. Seit Q1 2021 sind die Baukosten kumuliert +18 % gestiegen. Wer Bestand hält, profitiert vom Replacement-Cost-Effekt — Neubau wird relativ teurer, Bestand attraktiver.

Wie wirkt das GEG 2024 auf den Markt?

Stark differenzierend: Häuser in Effizienzklasse A–C werden begehrter, Klasse F/G/H leiden unter zusätzlichem Abschlag von 8–18 %. Die Preisspreizung zwischen energetisch top und schlecht wächst jährlich. Eigentümer sanierungsbedürftiger Häuser sollten zügig entscheiden: sanieren oder verkaufen. Details im Ratgeber Sanieren vor dem Verkauf.

MR
Autor Stand Mai 2026
Marc-René Ruisinger
Geschäftsführender Gesellschafter · Schwäbische BauWerk GmbH, Stuttgart

Marc-René Ruisinger führt das Stuttgarter Familienunternehmen Schwäbische BauWerk GmbH in fünfter Generation und ist alleiniger Gesellschafter-Geschäftsführer der Marc-René Ruisinger Immobilien GmbH. Sein Schwerpunkt: Erwerb, behutsame Modernisierung und langfristige Bestandshaltung von Mehrfamilienhäusern im süddeutschen Raum. Mehr als zwei Jahrzehnte praktische Erfahrung mit Ankauf, Bewertung, Sanierung und Vermietung von Zinshäusern fließen in die Inhalte auf mehrfamilienhaus-bewerten.de ein.